Stoppt die Epidemie der durch Hass motivierten Verbrechen

von Ron Kronish, Uebersetzung von Chagit Lyssy
Publiziert erst auf Englisch in Times of Israel  am April 29

 

Die Epidemie der durch Hass motivierten Verbrechen in Israel muss unter Kontrolle gebracht werden. Sie muss dringend aufhören und kann nicht länger unter den Teppich gekehrt werden!

Jeden Tag, und manchmal zweimal täglich, werden Kirchen und Moscheen in Israel von Juden vandalisiert. Gestern war es eine Moschee, heute eine Kirche. Was wird morgen passieren?

Mehr als 30 Kirchen und Moscheen sind im letzten Jahr vandalisiert worden, und bisher wurde noch niemand zur Rechenschaft gezogen. Warum? Oder besser gesagt, warum nicht?

Wenn es anders herum wäre, wenn Palästinenser Synagogen und jüdische Institutionen mutwillig beschädigen würden, würden die Täter am gleichen Tag gefasst und ohne Prozess eingesperrt werden. Jeder weiss dies. Die Doppelmoral ist eindeutig und für jeden sichtbar.

Der Ärger vergrössert sich. tausende Juden und Araber beginnen gegen dieses Phänomen zu demonstrieren, aber nicht genug. Vielleicht brauchen wir hunderttausende oder Millionen Demonstranten. Vielleicht ist es Zeit für die schweigende Mehrheit, aufzuwachen und eine Reaktion von ihrer Regierung zu fordern.

Es ist völlig unglaublich und unerklärlich, dass die israelische Regierung Lippenbekenntnisse abgibt, dass die Gesetzeshüter schnell und direkt agieren sollen, jedoch tage-, wochen-, und monatelang nichts tut. Und dies in einer Situation, die immer schlimmer wird.

Die israelische Regierung hat noch nichts getan, um zu zeigen dass sie die Situation ernst nimmt. Dies ist speziell beunruhigend, da wir, die Tag Meir Koalition, welche nach jedem Ereignis Repräsentanten schickt, um unsere Solidarität mit der betroffenen Gemeinde zu zeigen, glauben, dass die Polizei weiss, wer hinter den Angriffen steckt.

Carmi Gillon, früherer Chef der israelischen Sicherheitsdienste, der sich vier Jahre lang auf israelische Araber konzentriert hatte, erzählte uns an unserem jährlichen Treffen letzten Dezember, dass nicht nur die Jugendlichen, welche die Angriffe durchführen, der Polizei bekannt sind, sondern auch die Rabbiner, die sie zu diesen Taten auffordern. Das Selbe trifft auch für Rabbiner zu, die in der Vergangenheit jüdische Extremisten angesstachelt haben.

In Israel gibt es ein Gesetz gegen Anstifung von Verbrechern und Rebellion. Gemäss Gillon wurde dieses Gesetz noch nie gegen einen Rabbiner angewendet. Es ist höchste Zeit, dieses Gesetz anzuwenden und durchzusetzen! Gillon sagte: “Wir wissen alle, wer sie sind und in welchen Yeschivot sie lernen und unterrichten. Das israelische politische und Rechtssystem ist dem Phänomen gegenüber teilnahmslos, anstatt etwas zu tun. Oder ist es mehr als Teilnahmslosigkeit? Drückt es ein Auge zu, und erlaubt diesen Extremismus aus politischen Gründen?”

Ist dies der “jüdische Staat”, welchen die Palestinenser laut der israelischen Regierung anerkennen soll? Im Gegenteil. Solche Taten sind unmoralisch und den jüdisch-humanistischen Werten entgegengesetzt. Sie sind Gotteslästerung!

Hat die israelische Regierung ihren moralischen Kompass völlig verloren? Und wo sind die Juden der Diaspora? Sie sind gut darin, sich für einen Gebetsort für Frauen an der Klagemauer einzusetzen oder gegen Rassismus in Europa einzustehen, doch wo sind sie jetzt? Wieso sagen sie nicht laut und deutlich: “Dies ist nicht das Israel, von dem wir geträumt haben! Dies ist nicht der jüdische Staat, den die israelische Unabhängigkeitserklärung beschreibt.” Sie sollten eine Reaktion von der israelischen Regierung und Polizei fordern. Jetzt, nicht später, wenn schon zu viel Schaden verursacht wurde.

Wo sind die rabbinischen Oberhäupter von Israel und der Diaspora? Sie müssen sich sofort zu Wort melden.

Letzte Woche lasen wir im Toraabschnitt Kedoschim, wie die Juden Gott imitieren sollen: nicht nur durch Nächstenliebe, sondern auch durch faire Behandlung des Fremden, durch Fremdenliebe. Es wird Zeit, dass die israelische Regierung und Polizei damit beginnt, diesen grundsätzlichen jüdischen Wert umzusetzen.

Ich bin ein Mitglied einer Koalition namens Tag Meir, welche aus 40 Organisationen besteht und Menschen von ganz Israel vertritt. Wir bekämpfen dieses Phänomen schon seit vier Jahren ohne viel Aufruhr. Bis jetzt reagierten wir, wenn etwas geschah, und zeigten Einfühlungsvermögen. Doch das ist nicht genug. Wir müssen aktiver sein und die Massen in Israel dazu mobilisieren, eine jüdische und interreligöse Stimme der Vernunft zu sein und von der Regierung zu verlangen, diesem gefährlichen Phänomen ein Ende zu setzen.

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