Zeichen der Hoffnung inmitten der Verzweiflung

Dr. Ron Kornish

Zuerst veröffentlicht am 20 Juni 2014

Wie behält man Hoffnung inmitten so viel Verzweiflung?
Dies ist eine Frage, die mir häufig von Besuchergruppen in Israel gestellt wird, und welche ich mir zugegebenermaßen selbst stelle, vor allem in letzter Zeit.
Seit dem Scheitern des politischen “Friedensprozesses”, vor sechs Wochen, wurden Verzweiflung und Entmutigung über die Zukunft unserer Region zum Teil unseres täglichen Lebens in Israel und Palästina. Und die Entführung von drei unschuldigen israelischen Jugendlichen und die darauffolgende massive Suchaktion in großen Teilen der besetzten Gebiete, in der letzten Woche, verschlechterten die Stimmung auf beiden Seiten.

Wo findet man also Hoffnung?
Ich fand Hoffnung an zwei Veranstaltungen, an denen ich letzte Woche in Jerusalem teilnahm, welche mich sehr inspirierten.
Die erste Veranstaltung fand am 17. Juni auf dem wunderschönen Dach des “Museum on the Seam” (Museum auf der Grenze) statt, ein spezielles Museum auf der alten israelisch-jordanischen Grenze, welches sich mit sozialer Gerechtigkeit befasst. Anlass war die Veröffentlichung eines detaillierten Gutachtens über die Nachbarschaften von Ostjerusalem, welches von Bimkom – Planer für Planungsrechte, veröffentlicht wurde – einer Organisation, welche auf sensible und systematische Art Palästinensern hilft, mit lokalen Planungsproblemen umzugehen. Es war nicht die klare Beschreibung aktueller Probleme, die den Abend speziell machten, die meisten Anwesenden wussten schon, dass die Stadt Jerusalem und der Staat Israel die Palästinenser schon 47 Jahre lang systematisch diskriminieren. Jetzt wissen wir mehr Details.
Der inspirierende Aspekt des Abends lag darin, dass über 100 israelische Juden und palästinensische Araber (ungefähr 50/50) friedlich an einem schönen Ort im Zentrum Jerusalems im Sinne der Zusammenarbeit, Harmonie, Hoffnung und Konstruktivismus zusammen kamen. Trotz den fortlaufenden Herausforderungen waren alle Anwesenden in einer positiven Stimmung, in der Hoffnung, Jerusalem für all seine Einwohner zu verbessern. Es war ein Moment der Hoffnung, ein Lichtblick, in einer Situation, die oft hoffnungslos scheint.

Die zweite Veranstaltung fand gestern in der Gemeinde Kol Haneshama in Jerusalem statt. Eine Gruppe Juden und Muslime trafen sich, um gemeinsam zu lernen und einen Dialog zu führen. Dieses Treffen fand unter der Führung meiner Organisation, dem Interreligious Coordinating Council in Israel statt, und war Teil einer Serie von Treffen zwischen israelischen Juden und Muslimen, welche seit zwei Jahren unter dem Titel Kodesch (Kolot Datiim Leshalom – Religiöse Stimmen für Frieden) stattfinden. Die Treffen bringen 30 religiöse Oberhäupter, Lehrer, Akademiker, Gemeindeoberhäupter und Journalisten zusammen, um gemeinsam zu lernen, aktuelle Themen zu diskutieren und zu handeln.
In der letzten Kodesch (hebräisch für heilig) Sitzung lernten wir mit Professor Daniella Talmon-Heller von der Universität Ben Gurion darüber, wie der Koran und die Torah in der jeweiligen Tradition gelesen werden. Es war eine hervorragende Diskussion, an der alle Gruppenmitglieder beteiligt waren und etwas lernen und lehren konnten. Es war ein intellektuelles und spirituelles Vergnügen. Und es geschah alles hier in Jerusalem, ohne Fanfare, ohne Presse und ohne Aufregung. Für uns, die in dieses Projekt involviert sind, ist es einfach ein Teil unseres täglichen Arbeitslebens. Aber dieses Treffen war speziell. Es fühlte sich wirklich heilig, einzigartig, inspirierend an. Wir entdeckten wieder, wie viel wir gemeinsam haben, und gleichzeitig auch, wie verschieden wir sind. Wir hörten aktiv und einfühlsam zu, mit dem Ziel, besseres gegenseitiges Verständnis zu erreichen. Jeder in dieser Gruppe verließ das Treffen mit einem guten Gefühl und der Erkenntnis, dass wir diese Art Dialog fortsetzen müssen, trotz den Herausforderungen unserer Umgebung.

Wie behalten wir also die Hoffnung? Indem wir auf Dialog und Aktivität beharren, indem wir ernsthafte Empathie für unterdrückte Teile der Gesellschaft zeigen und indem wir zeigen und daran glauben, dass echtes Zusammenleben zwischen Juden und Muslimen, Israelis und Palästinensern wirklich möglich ist.

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